Liebe Leserin, lieber Leser

wer einen lieben Menschen, die Gesundheit oder seine Lebensperspektive verloren hat, weiß, dass Trauerbewältigung unter Umständen zu einer lebenslangen Aufgabe werden kann. Wer nach einem Verlust die eigenen schmerzlichen Gefühle verdrängt, wird es schwer haben, jemals wieder echte Freude zu empfinden.

Im Laufe unseres Lebens werden wir immer wieder mit Ohnmacht, Wut und Enttäuschung, mit Gefühlen der Aussichts- und Wertlosigkeit, mit Leere konfrontiert. Was tröstet uns dann? Was gibt uns Halt? Was setzen wir den todbringenden Mächten in unserem Leben entgegen? In diesen Tagen erinnern wir uns an das Leiden und Sterben Jesu und wir feiern an Ostern seinen Sieg über die Macht des Todes. Die Bedeutung von Ostern erschließt sich sehr schön im diesjährigen Leitwort für den April.

„Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“ (Joh 16, 20).

Jesus spricht seinen Jüngern in den Abschiedsreden Mut zu. Er verweist auf sein nahes Fortgehen, er spricht von Leid und Schmerz – ja – vom Hass der Welt. Aber Jesus spricht auch von der engen Verbundenheit zwischen ihm und den Seinen. Er redet davon, dass letzten Endes alles gut wird. Denn mit seinem Tod und mit der Auferstehung beginnt etwas Neues. An Pfingsten wird Jesus sei-nen Geist sinnbildlich auf die Jüngerinnen und Jünger übertragen und sie in mutige, zuversichtliche Zeuginnen und Zeugen verwandeln. Sie spüren Jesu Kraft und können getrost die frohe Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod weitersagen.

„Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Das ist doch eine Zusage, die neugierig macht! Ostern ist Verwandlung. Tod wird zu neuem Leben, Trauer zur Freude. Angst wird zu Mut und Sorge zur Zuversicht. Diese Verwandlung ist spürbar erfahrbar als ein Grundgefühl, das unser Leben bestimmt. Ich möchte uns Mut machen, dieses Grundgefühl zuzulassen. Vielleicht so, indem wir unsere Verlusterfahrungen annehmen, statt sie zu verdrängen. Indem wir Dinge ändern, die schon lange darauf warten. Indem wir uns öffnen für die Kraft, mit der Jesus an uns handeln will. Ostern ist Verwandlung. Das gilt auch uns!

In diesem Sinne: Frohmachende Ostern!
Ihr Pfarrer Frieder Wisch